Unterschreiten der 130%-Grenze entgegen dem Schadensgutachten

Grundsätzlich hat der Geschädigte in einem Kfz-Unfall einen Anspruch auf Ersatz seiner Reparaturkosten gemäß § 249 Abs. 1 BGB. Überschreiten diese jedoch die 130%-Grenze bezogen auf den Zeitwert des Fahrzeugs, steht dem Geschädigten eine Reparatur nicht mehr offen. Er wird auf den Wiederbeschaffungswert des verunfallten Fahrzeugs verwiesen. Das Landgericht Itzehoe hatte sich nun mit der Frage zu beschäftigen, ob der Geschädigte Anspruch auf Ersatz der Reparaturkosten hat, wenn zwar das Schadensgutachten von einem Überschreiten der 130%-Grenze ausgeht, die tatsächlichen Reparaturkosten jedoch darunterliegen.

Das Landgericht Itzehoe hat entschieden, dass ein Geschädigter  Ersatz der angefallenen Reparaturkosten innerhalb der 130 %-Grenze verlangen kann, solange er sein Fahrzeug vollständig und fachgerecht reparieren lässt und damit der vor dem Unfall bestehende Zustand wiederhergestellt wird. Eine Reparatur exakt gemäß den Vorgaben des Schadensgutachtens ist nicht erforderlich. Zudem steht eine geringfügige Überschreitung der 130 %-Grenze einem Anspruch auf vollständigen Ersatz der Reparaturkosten nicht entgegen. Ein Geschädigter, dem es entgegen der Einschätzung des Schadensgutachtens gelingt, eine vollständige und fachgerechte Reparatur innerhalb der 130 %-Grenze durchzuführen, kann vollständigen Ersatz der Reparaturkosten bis zu 130 % des Wiederherstellungswerts verlangen, sofern bei Erteilung des Reparaturauftrags abzusehen war, dass eine Reparatur innerhalb der 130 %-Grenze möglich sein wird.

Dem Geschädigten eröffnen sich somit neue Möglichkeiten, seine Reparaturkosten ersetzt zu erhalten, wenn er das verunfallte auch in Zukunft benutzen will.

Landgericht Itzehoe, Az.: 1 S 89/11

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